1. Was ist Sauerteig?
2. Woher bekomme ich Sauerteig?
3. Wie bewahre ich Sauerteig auf?
4. Wie backe ich mit Sauerteig?
5. Welche Mehl- und Getreidesorten kann ich verwenden?
6. Wo erfahre ich mehr über Sauerteig?
7. Wo gibt es Sauerteig und Mehl zu kaufen?
8. Was bedeutet …?
9. Dank & Copyright
a) Sauerteig selbst herstellen (dauert etwa 3 bis 5 Tage)
Ein einfaches Rezept: Ein Foto von backfertigem Sauerteig gibt es in der
Sauerteig-Galerie unter
http://www.moglitronik.de/mirko/seiten/stgal.htm.
b) Sauerteig aus einer vorhandenen Kultur vermehren (dauert etwa 1 bis 3 Tage)
Wie oben, aber zu Beginn die vorhandene Kultur mit einrühren. Weil diese Kultur die nötigen Mikroorganismen bereits mitbringt, geht es auf diese Weise wahrscheinlich schneller, je nach Stabilität und Stärke der Kultur.
Bemerkung zur Temperatur: Optimal für die Entwicklung des Sauerteig sind
Temperaturen
zwischen 25 und 30 °C. Bei niedrigeren Temperaturen dauert die
Entwicklung des Sauerteigs länger, manchmal kommt er gar nicht
zustande.
Bei höheren Temperaturen entsteht weniger Säure und der Geschmack kann
fade werden. Höher als 35 °C sollte die Temperatur nicht sein.
Ein häufiges Problem sind zu niedrige Temperaturen. Es kommt zwar auf
die Stärke der Kultur an, die man verwendet. Es gibt sehr starke
Kulturen, die schon losblubbern, kaum dass man sie aus dem Kühlschrank
genommen hat. Wer aber Sauerteig selbst herstellen will oder keine
besonders starke Kultur besitzt, wird bei warmen Temperaturen eher
Glück
haben. Im Winter stellt man die Schüssel einfach auf die Heizung. Im
Sommer kann man, falls es nicht warm genug ist, eine Warmhalteplatte,
eine Heizdecke oder bei manchen Öfen und Herden die Warmhaltestufe
verwenden. Auch eine starke Glühlampe gibt möglicherweise genug Wärme
ab. Wer ein Haus hat, kann den Heizungsraum nutzen.
Eine zu hohe Temperatur lässt sich wiederum vermeiden, indem zwischen
die Wärmequelle und die Schüssel mit dem Sauerteig zum Beispiel ein
Teller platziert wird.
Um Hitzestaus zu vermeiden, dringend die Bedienungshinweise der
benutzten Geräte (auch Heizungen) beachten! Es empfiehlt sich ohnehin,
den auf eine dieser Arten warm gehaltenen Sauerteig nicht länger aus
den
Augen zu verlieren, allein schon weil er überquellen kann.
Die Temperatur beeinflusst den Geschmack des Sauerteigs: Niedrige
Temperaturen begünstigen die Vermehrung der Essigbakterien (der Teig
wird saurer), höhere die der Milchsäurebakterien (der Teig wird
milder).
Profis verwenden die ausgeklügelte »Drei-Stufen-Führung« (siehe Punkt
8).
Bemerkung zu weiteren Zutaten:
Manchmal wird empfohlen, neben Mehl und Wasser weitere Zutaten zuzugeben, etwa Kümmel, Jogurt, Kartoffelwasser, Weintrauben, Essig oder gar Bäckerhefe. Wenn man Glück hat, schadet das nicht. Es hat aber auch keinen Nutzen. Die in diesen Zutaten befindlichen Organismen entwickeln sich in einem klassischen Sauerteig nicht von selbst. Die meisten von ihnen verschwinden, sobald sich die Kultur stabilisiert. Es kann aber sein, dass sie die Sauerteig-Symbiose stören oder verhindern. Bäckerhefe ist zum Beispiel empfindlich gegen die Säuren im Sauerteig. Die Säuren werden entweder die Bäckerhefe verdrängen oder umgekehrt. Andere Zutaten als Mehl und Wasser können also getrost gleich weggelassen werden.Ein solcher Vorrats-Sauerteig hält sich problemlos mehrere Wochen im Kühlschrank. Auch dort gärt er sehr langsam weiter, weshalb a) das Schraubglas nicht fest verschlossen werden darf, b) der Sauerteig irgendwann wieder aktiviert werden muss, damit die Mikroorganismen in ihm nicht »verhungern«. Wenn sich nach ein paar Tagen eine leicht alkoholische Schicht (»Fusel«) bildet, ist das normal. (Dass der Sauerteig dann nicht mehr säuerlich, sondern eher »chemisch« riecht, ist auch kein Grund zur Beunruhigung — bei Wiederbelebung kehrt die alte Säuerlichkeit zurück.) Vor Gebrauch rührt man diese Schicht einfach unter.
Manche wollen ihren Vorrats-Sauerteig noch nach einem halben Jahr verwendet haben. Eine längere Lebensdauer soll so genannter »Krümelsauer« haben: Sauerteig, in den so lange Mehl gerührt wird, bis er krümelt. Sauerteig lässt sich auch einfrieren.
Eine Methode, die weniger zur Aufbewahrung als vielmehr zum Transport per Post oder als »Sicherheitskopie« einer besonders erhaltenswerten Sauerteigkultur gedacht ist, ist das Trocknen. Streicht man den Teig dünnflüssig auf einen Bogen Wachs- oder Backpapier, kann man ihn nach dem Eintrocknen leicht lösen und kleinkrümeln. Das so gewonnene Pulver lässt sich wie unter Punkt 2 beschrieben reaktivieren. Ein reines Sauerteigbrot braucht im Vergleich zu
anderen Broten
vor allem zwei Dinge:
Der Sauerteig muss backfertig sein, wenn das Brot ohne Bäckerhefe auskommen soll. Auf Englisch nennt man den backfertigen Sauerteig »Sponge« (= Schwamm, weil er von Bläschen durchsetzt ist). Backfertigen Sauerteig erkennt man wie unter 2.a beschrieben. Wenn er nur säuerlich riecht, aber keine oder nur wenig Bläschen aufweist, kann man damit zwar auch backen — es schmeckt dann auch ein wenig nach Sauerteig —, aber man benötigt zusätzlich ein Lockerungsmittel wie Bäckerhefe.
Wenn der Sauerteig aus dem Kühlschrank kommt, ist er in der Regel nicht backfertig, sondern befindet sich im Ruhezustand. Man rührt ihn dann zunächst gut um (am Boden des Gefäßes hat sich wahrscheinlich eine sehr fest gewordene Schicht abgesetzt), vermischt ihn dann mit etwas mehr Wasser und Mehl, als zusammengenommen im Rezept an Sauerteig verlangt wird (man braucht ja auch wieder einen Rest Sauerteig für das nächste Mal) und lässt das Gemisch so lange stehen, bis es den Kriterien für backfertigen Sauerteig entspricht. Das passiert bei einem stabilen, starken Sauerteig je nach Wärme über Nacht oder in wenigen Stunden.
Ein einfaches Rezept für einen Laib Brot
Zutaten:
1 Liter backfertiger Sauerteig
2 gehäufte Teelöffel Salz
etwa 500 Gramm Mehl
(z.B. jeweils zur Hälfte helles Weizenmehl und Roggenmehl)
Sauerteig und Salz in einer Schüssel gut vermischen. Dann nach und nach so lange Mehl einrühren, bis sich der Teig von der Schüssel gut löst. Auf einer mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche eventuell restliches Mehl, vielleicht noch zusätzliches Mehl einkneten. Eine Besonderheit bei Sauerteigbroten ist, dass sie nicht lange geknetet werden müssen. Für eine gute Brotstruktur hat das lange Gehen bereits gesorgt; durch zu starkes Kneten wird sie eher wieder zerstört. Der backfertige Laib ist daher möglicherweise klebriger als bei anderen Broten. Damit es beim Gehen oder Backen nicht festklebt, kann man es zusätzlich einmehlen.
Eine Kugel formen, in die Oberfläche mit einem Messer ein Kreuz schneiden, auf ein gefettetes oder mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und an einem warmen Ort zugedeckt eine Weile gehen lassen — wenn man sichergehen will, solange, bis sich das Volumen ungefähr verdoppelt hat. Das kann je nach Wärme, Mehlsorte, Stärke des Sauerteigs 2 bis 6 Stunden dauern. Man kann das Brot auch über Nacht gehen lassen. Wenn man eine Backform verwendet, geht es nicht in die Breite. Vorsicht: Sauerteig kann die Oberfläche beschichteter Formen angreifen.
Den Ofen auf 200°C (bei Gasöfen je nach Modell Stufe 2-4) vorheizen. Blech auf mittlerer Schiene einschieben, etwa 50 bis 60 Minuten backen. Das Brot ist fertig, wenn es beim Klopfen auf die Unterseite hohl klingt (oder wenn an einem hineingestochenen und wieder herausgezogenen Stäbchen kein Teig mehr klebt). Aus dem Ofen nehmen, auf einem Gitter auskühlen lassen.
Tipps zum Backen:
Die Bezeichnung »Type 550« ergibt sich z.B. aus einem durchschnittlichen Mineralstoffgehalt von 0,55 Prozent. Im Handel sind hauptsächlich folgende Typen: bei Weizenmehl 405 (das übliche »Weißmehl«), 550, 812, 1050 und 1700 (Weizenbackschrot), bei Roggen 997, 1150, 1800 (Roggenbackschrot) sowie Weizen- und Roggenvollkornmehl ohne Typenbezeichnung.
Die Herstellung von Sauerteig gelingt mit hohen Mehltypen oder Vollkornmehl besonders gut. (Wahrscheinlich, weil an der Schale einige der Mikroorganismen haften, die gebraucht werden.) Es gibt typischen Weizen- und typischen Roggen-Sauerteig mit je charakteristischem Geschmack. Im deutschsprachigen Gebiet gilt Roggen-Sauerteig als typisch, für die italienischen Ciabatta-Brote ist ein Weizen-Sauerteig (der »Biga«) charakteristisch. In Afrika kennt man gesäuerten Teig aus Maismehl.
Beim Backen gibt in erster Linie der Geschmack vor, welches Mehl man verwendet. Man sollte aber beachten, dass die Brote umso länger gehen müssen und/oder umso mehr Sauerteig und Flüssigkeit benötigen, je stärker das Mehl in Richtung Vollkornmehl tendiert.
Daneben spielt der Anteil an Kleber-Eiweißen
(Gluten) und
deren Art eine Rolle. Mehl aus Getreide mit stabilem Kleber, zum
Beispiel Weizen, hat gute Backeigenschaften: Es geht gut auf und hält
gut zusammen. Der Kleber in Roggen hingegen ist schwach. Außerdem
enthält Roggen viele Enzyme, die durch ihren Abbau von Stärke das Brot
»klitschig« machen können. Die Säure aus dem Sauerteig hemmt nun diese
Enzyme und stärkt darüber hinaus im Roggen bestimmte Inhaltsstoffe, die
für bessere Backfähigkeit sorgen. Sauerteig ist also wie geschaffen für
Roggenmehl. Ein nur mit Bäckerhefe aufgegangener Teig aus Roggenmehl
würde beim Backen in sich zusammenfallen. Nur in Verbindung mit Säure
ist auch das Kleber-Eiweiß des Roggens dazu in der Lage, eine lockere
Krume entstehen zu lassen.
Mehl mit schwachem oder ohne Kleber (etwa Maismehl) kann man zur
Verbesserung der Backeigenschaften mit Weizenmehl mischen. Es gibt auch
reinen Kleber, der aus Weizenmehl gewonnen wird und im Handel (zum
Beispiel in Hobbythek-Läden) erhältlich ist.
Weitere interessante Getreidesorten zum Backen mit oder ohne Sauerteig:
Kleines englisch-deutsches Glossar:
Weitere Sauerteig-Adressen:
http://www.adler-muehle.de/info/index2.html
Information über Mehl & Getreide aus der Adler-Mühle Bahlingen. Mit
der Möglichkeit, den Müllern Fragen zu stellen, und einigen erprobten
Rezepten.
http://home.att.net/~carlsfriends/
Carl’s Friends: Diese englischsprachige Seite widmet sich der sehr
stabilen Weizensauerteig-Kultur des verstorbenen Carl Griffith.
http://www.sourdo.com
Sourdoughs International, ein Sauerteig-Vertrieb in den USA mit viel
Auswahl. Leider ziemlich teuer.
Literatur
Auf Englisch:
Von folgenden Kulturen wurde berichtet, dass sich aus
ihnen
stabile Sauerteige gewinnen lassen:
Weniger empfehlenswert zur Vermehrung scheinen die flüssigen Sauerteig-Extrakte zu sein, die es oft in verschweißten Plastikbeuteln zu kaufen gibt — wahrscheinlich, weil sie durch Erhitzen haltbar gemacht werden.
Mehl
Viele Läden führen nur Weizenmehl Type 405, das dann auch oft ab € -,25 pro Kilo zu haben ist. Type 550 (manchmal »Kuchenmehl« genannt) hat bessere Backeigenschaften und ist auch günstig zu bekommen, höhere Typen kosten oft um die 1 €.
Mehl von guter Qualität bekommt man auch in Bioläden und Reformhäusern. Dort kann man sich meist auch Getreide frisch mahlen lassen. (Bei Weizenmehl empfiehlt sich allerdings, es nicht allzu frisch zu verwenden: Einige Tage Lagerung verbessern die Backergebnisse.) Um daraus Mehl geringerer Typen zu machen, müsste man allerdings die Kleie aussieben. Ein Kilo Weizen oder Roggen kostet dort ungefähr 1,50 €, Dinkel oft das Doppelte.
Günstiger gibt es größere Mengen Mehl oder Getreide oft lose in Bioläden, bei Bauern und in Mühlen (siehe »Gelbe Seiten«).
Wer Geschmack am Selberbacken findet, für den dürfte sich auf die Dauer die Anschaffung einer elektrischen Mühle lohnen. Wer Wert auf feines Mehl legt, ist mit einer Mühle mit Keramik-Mahlwerk am besten bedient; diese Modell gelten als besonders langlebig. Mühlen mit Stahlmahlwerk sind günstiger und können oft auch Ölsaaten wie Mohn mahlen. Für manche Küchenmaschinen gibt es Mahlaufsätze. 1. Stufe: weicher Teig, 4 bis 6 Stunden bei 22 bis 26
°C,
Vielen Dank an
Das Sauerteig-FAQ wird von Mirko Driller zusammengestellt, aktualisiert und gelegentlich in der Newsgroup de.rec.mampf veröffentlicht.
Ergänzungen, Verbesserungsvorschläge, Fragen und Mitteilungen bitte als Followup in de.rec.mampf veröffentlichen (bitte nur die Zeilen zitieren, auf die sich die Bemerkung bezieht) oder per E-Mail an den Verfasser (driller@gmx.de) senden.
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